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Nr. 10, April 1999Flucht und Asyl

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EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

betroffen, zutiefst berührt von der Katastrophe in Kosova, verfolgen wir täglich die neuen Schreckensmeldungen in den Medien . Die “ethnischen Säuberungen”, die Greueltaten von Serben an den Kosovo-Albanern in den vergangenen Tagen und Wochen übersteigen alles, was das Volk bereits seit Jahrzehnten erleiden mußte. Dafür scheint nur noch ein Wort passend zu sein: Genozid. Das Flüchtlingselend wird von Tag zu Tag größer, unfassbarer...
Die schon seit Jahren hier als Flüchtlinge lebenden Kosovo-Albaner haben in der Mehrheit keinen gesicherten Aufenthaltsstatus, ihre Asylverfahren wurden allzu oft abgelehnt auch mit der Begründung, es gäbe keine Gruppenverfolgung in Kosova...
Nachdem Kosova Schwerpunktthema unserer vergangenen Ausgabe war, können Sie unsere aktuellen Forderungen in der Presseerklärung lesen.
Mit unserer heutigen Ausgabe Nr. 10 von “Flucht und Asyl” begehen wir auch ein kleines Jubiläum. Außerdem ist unser Büro ein weiteres Mal umgezogen (Adresse siehe Vorderseite). Bereits unsere Ausgabe Nr. 5 erschien nach einem Umzug - also auch ein kleines Jubiläum. Ich hoffe allerdings sehr, dass wir dieser Tradition nicht treu bleiben müssen und unsere jetzige Adresse eine längerfristige sein wird.
Auch freuen wir uns, dass nach fast dreimonatiger Zeit ehrenamtlicher Tätigkeit in unserem Büro nun endlich wieder Kontinuität eingezogen ist: Wir begrüßen ganz herzlich unsere beiden ABM-Mitarbeiter Christine Ghemari und Sarbast Akraui! Die seit mehreren Jahren bekannte Telefon- und Faxnummer können wir trotz einiger zwischenzeitlicher Verwirrungen weiterführen: 03 41 - 961 38 72.
Von der Abschiebehaftgruppe gibt es Erfreuliches zu berichten. Die im April 1998 erstmals gezeigte Ausstellung zur Abschiebehaft in Sachsen wurde bereits in zahlreichen Städten inner- und außerhalb Sachsens gezeigt und ist auch weiterhin sehr gefragt (Bestellungen / Anfragen zu Vorträgen an Büro).
In dieser Ausgabe kann ich Ihnen drei Artikel zu diesem Thema empfehlen: Zum einen über das schwierige und langwierige Schicksal eines algerischen Abschiebehäftlings in Leipzig, zum anderen über Veranstaltungen zur diesjährigen Demonstration vor der Frauen-Abschie-behaftanstalt in Neuss und dem „Antirassistischen Grenzcamp“.
Wie schlimm es psychisch zu ertragen ist, auf der Flucht zu sein, schildert eine Iranerin in der Rubrik „Flüchtlingsschicksale“.
Auch zur Situation türkisch-kurdischer Flüchtlinge haben wir bereits im März 1999 eine Presseerklärung verfasst, die Sie in dieser Ausgabe finden.
Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit der neuen Situation in der “ehemaligen” sogenannten Erstaufnahmeeinrichtung Torgauer Straße 290 - nur der Straßenname scheint sich nicht geändert zu haben.. Ach ja, das Personal und die nicht sonderlich guten Lebensbedingungen für die dort untergebrachten Flüchtlinge haben sich wohl auch nicht geändert...
Beiträge über “ewig geduldete” Flüchtlinge, über ihren fast unmöglichen Weg zu Aus- und Weiterbildung und über die Hindernisse bei der Familienzusammenführung enthält unser Info-Blatt ebenfalls.
Wir können Ihnen auch mitteilen, dass das Projekt Deutschunterricht, initiiert und koordiniert von Joke Oud, auch weiterhin von ihr ehrenamtlich fortgeführt wird.
Die Fraueninitiative ist durch Arbeits- und Studientätigkeit sowie Krankheit einiger ihrer Mitglieder in den vergangenen Monaten so stark “geschrumpft”, dass sie kaum noch arbeitsfähig ist. Hier also unser dringender Hilferuf: Für Aktionen und Veranstaltungen mit Flüchtlingsfrauen suchen wir interessierte, aktive Frauen (Bitte im Büro melden)!
Und noch einen Ausblick auf die kommenden Monate möchte ich Ihnen geben: Auch in diesem Jahr werden wir wieder zwei Friedensgebete in der Nikolaikirche gestalten - am 05.07.2020 und am 27.09.2020. Wer an der Vorberei-tung oder Durchführung mitwirken möchte, ist herzlich eingeladen!
Abschließend möchte ich Sie alle bitten, auch Freunden, Bekannten und Kollegen unser Info-Blatt weiterzureichen. Vielleicht werden sich ja auch weitere aktive Mitstreiter/innen oder Fördermitglieder bei uns melden, um die Arbeit des Flüchtlingsrates Leipzig e.V. zu unterstützen! Außerdem sind wir dankbar für Hinweise oder Unterstützung bezüglich Inhalt und Gestaltung unseres Info-Blattes.

Petra Krüger
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Diese Seite wurde aktualisiert am 23.6.2020.