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Nr. 12, März 2000Flucht und Asyl

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 Dolmetschen per Telefon?

Wird künftig das leidige Sprachenproblem in Leipzig oder sogar in Sachsen gelöst werden?

 Schon lange stehen der Flüchtlingsrat und andere Hilfsor-ganisationen für Ausländer hier in Leipzig, und sicher nicht nur hier, vor dem Problem, dass der Versuch zu helfen an Verständigungsschwierigkeiten scheitert. Der Flüchtling ist noch zu kurz in Deutschland, um die Sprache so gut zu beherrschen, dass er sein Anliegen deutlich vorbringen und die Anweisungen verstehen kann, und der deutsche Helfer kann natürlich nicht alle Sprachen beherrschen,  mit denen er durch seine Arbeit in Berührung kommt. Nicht immer können sich beide auf Englisch verständigen. Viele Organi-sationen haben in ihrer Kartei für die häufigsten Sprachen einen Ansprechpartner, aber eben auch nicht für alle Sprachen, und die Dolmetscher sind auch nicht immer erreichbar.
Unsere Erfahrung im Flüchtlingsrat ist einerseits, dass ein kurzes Telefonat mit einem Dolmetscher in den meisten Fällen schon Abhilfe schaffen kann, andererseits, dass viele Fremdsprachenkundige gern bereit sind, telefonisch auszuhelfen.
Das hat uns auf die Idee gebracht, zu versuchen, einen ehrenamtlichen telefonischen Dolmetscherdienst ins Leben zu rufen. Wir stellen uns das folgendermaßen vor: der Dolmetscherdienst sammelt bei allen Hilfsorganisationen die Namen von den ihnen bekannten Dolmetschern und fragt sie, ob sie bereit wären, bei Bedarf auf Anfrage telefonisch zu dolmetschen. Wir sollten eine zentrale Vermittlung mit einer Nummer haben, die von den Hilfsorganisa-tionen angerufen werden kann. Die Vermittlung ruft je-mand mit der benötigten Sprache an und fragt ihn/sie, ob er/sie bereit ist, zu dolmetschen, ruft die Hilfsorganisation zurück und gibt die Telefonnummer des Dolmetschers an. Die Hilfsorganisation ruft den Dolmetscher an und bezahlt für das Dolmetschen nur die Telefongebühren. In der Praxis geschieht es meistens schon so, aber der Vorteil eines zentralen Dienstes ist, dass der Bestand an Dolmetschern größer sein könnte.
Ein Problem ist, wer die Vermittlung führen soll. Meines Erachtens geht das nur in einer Zusammenarbeit von mehre-ren Personen, denn der Vermittler muss immer - oder sa-gen wir ungefähr von 8 bis 20 Uhr - erreichbar sein, am besten auch am Wochenende, denn die Sprachprobleme tauchen nicht immer brav an Werktagen und tagsüber auf.
Als Vermittler kämen am besten Personen in Betracht, die sowieso ans Haus gebunden sind, denn wenn man mit ei-nem Handy unterwegs ist, hat man nicht immer die Möglichkeit gleich Dolmetscher anzurufen. Vom Handy anzurufen, ist im Moment auch noch recht kostspielig.
Ein Argument für einen telefonischen Dolmetscherdienst wäre auch noch die Anonymität, die durch einen telefonischen Dolmetscher besser gewährleistet ist als bei einem physisch anwesenden Dolmetscher. Dies wäre für viele Flüchtlinge eine Lösung, weil sie häufig ein großes Miss-trauen zu ihren in Deutschland lebenden Landsleuten haben, die oft für Dolmetscherdienste herangezogen werden. Bei heiklen medizinischen Themen, z.B. Aids-Beratungen, wäre das telefonische Dolmetschen eine bessere Lösung als wenn der Klient selbst seinen Dolmetscher mitbringen muss.
   Wir hoffen, unsere Ideen in der Praxis umsetzen zu kön-nen, brauchen aber noch Mitstreiter/Helfer.

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Diese Seite wurde aktualisiert am 18.04.2020.